23. Hörspielforum NRW: In Workshop 1, geleitet von Helgard Haug (Autorin und Regisseurin, solo und mit Rimini Protokoll) begegnen sich zwölf Hörspielmacher*innen und Redakteur*innen. Unmögliche Begegnungen sollen „konzipiert, eingefädelt und umgesetzt werden“, so die WS-Beschreibung. Ausgehend von eigens geführten Interviews (Schamane u.a.) und Archiv-Material (Hannah Ahrendt, Frank Stronach versus Armin Wolf, Ulrike Meinhof etc.) lassen sich die Teilnehmer*innen auf ein Online-Experiment ein: Alle füllen gleichzeitig ein Google-Drive-Dokument mit Personenkonstellationen, Orten und Spielregeln. Ein Beispiel – wild kombiniert:

Frank Castorf trifft Chris Dercon im Tatoo-Studio mit untauglichen Maschinen. Spielregel: Die fragende Person will jetzt unbedingt Pizza essen und im Anschluss ein Eis beim Italiener um die Ecke.

Geräusche: Eine WDR-Redakteurin weint und Fischgesänge

Aussagen: „Man muss das global sehen“ und „Bitte Loslassen!“

Ein bisschen erinnert die Methode an ein Satzglieder-Knickspiel, es entstehen die absurdesten Situationen. Und: Das kollektive in-den-Kontext-schreiben macht Laune!

Lasst uns das doch über den Schnitt lösen!

In einem WDR-Studio werden Listen gelesen, Dialoge reenacted aber auch: dialogische Momente mit mitgebrachtem und Archiv-Material inszeniert (wie in „miles & more“ von Uwe Barschel und der Gattin von Shakespeare Richard II., Rimini Protokoll). Da sich diese eingefädelten Gespräche über Zeiten und Distanzen hinweg setzen, dient der Schnitt als Begegnungsmittel: Die Tonspur einer surrenden Fliege verbindet den zusammengeschnittenen Dialog von Ulrike Meinhof und dem Schamanen (o.ä.). Es ist ein Puzzeln, An- und Absetzen und eine ständige Reflektion über die Materialbearbeitung. Welche Verantwortung trägt die*er Autor*in, gibt es Tabus? Verändert sich bei der Bearbeitung die eigene Haltung zum Material? Fällt die Bearbeitung schwerer, wenn man selbst Interviewer*in war?

Und der Tontechniker dreht nicht durch!

Klar ist aber: Es geht vor der Abschlussrunde nochmal ins Studio und zwar zu zwölft. Diese Situation ist per se schon eine unmögliche Begegnung. Zu zwölft Regieführen, ohne dass der überaus versierte Tontechniker durchdreht? Irgendwie klappt das. Gut, zugegebenermaßen sind die Arbeitsbedingungen ideal: ein Austausch mit anderen kreativen Menschen fand statt, die Infrastruktur des WDR steht zur Verfügung, es geht nicht um Geld und der experimentelle Charakter beflügelt. Aber dass sich so viele Menschen auf einen offenen Regieprozess einlassen (größtenteils noch immer eine one-wo*man-show) ist schon außergewöhnlich. Und fertig ist das Hörspiel – nach nicht mal drei Tagen. So schnell kann es gehen.