„Mehr Haltung: Gerade jetzt!“ lautet das Thema des 23. Hörspielforums NRW (veranstaltet von der Film- und Medienstiftung), das zum Wahlwochenende im WDR-Funkhaus stattfand. Aber was bedeutet eigentlich Haltung und in welcher Beziehung steht diese zum Inhalt und/ oder zur Form eines Hörstücks? Bestandteil des Forums waren neben den Workshops auch Vorträge: Maren Urner, promovierte Neurowissenschaftlerin und Gründerin von Perspective Daily band die Teilnehmer*innen in ihr Referat ein und ließ sie beispielsweise das „Neun-Punkte-Problem“ lösen:

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Alle Punkte sollen mit vier Geraden verbunden werden. Na?

Konstruktive Haltung

Auf dem Online-Medium wird nicht allein über Themen berichtet – die Redaktion strebt einen Diskurs an, der eine lebenswerte Zukunft voraussetzt. Im Sinne des konstruktiven Journalismus‘ geht es somit nicht ausschließlich um Probleme, sondern auch um Fortschritte. „Die Mischung aus den vorgestellten, positiven und negativen Entwicklungen auf der Welt motivieren, sich selbst mehr für eine bessere Welt einzusetzen.“, so das Zitat einer Perspective Daily-Leserin. Konstruktiver Journalismus hat offenbar eine direkte und motivierende Wirkung bei den Leser*innen.

„Ich erkenne die Absicht und…“

Im sogenannten „Nato-Saal“ des WDR Funkhauses sitzen an diesem Tag Hörspielschaffende und Journalist*innen. Die Folie des Vortrages „funktioniert“ nicht für beide Rollen gleich. Beide können sich jedoch fragen: Ist es denn die Aufgabe von Kunst/ von Journalismus, konstruktiv zu sein?

Muss nicht. Kann. Aber: Aus der Hörer*innen-/ Leser*innen-Perspektive ist folgende Erfahrug – frei nach Goethe – verbreitet. „Ich erkenne die Absicht und bin verstimmt.“ Das passiert, wenn die Haltung zur Botschaft wird und dem*der Rezipient*in das Denken vorweg genommen wird.

Haltung… Handeln… Kunst: Forumsgedanken

Haltung ist eigentlich schon da, bevor es Autor*innen bewusst wird und kann sich  im Prozess weiterentwickeln.

Haltung führt schon bei der Recherche zur einer bestimmten Auswahl von Themen.

Erst, wenn wir eine Haltung haben, können wir erzählen.

Haltung kann stark und sichtbar sein, kann aber gleichzeitig auch zart und subtil dargestellt werden.

Haltung – ob positiv oder negativ – ist konstruktiv für den*die handelnde*n Künstler*in.