Der kostenlose Download kannibalisiert das physische Hörprodukt? Bei einem Abstecher in Halle 3 wollte ich sowohl von Vertreter*innen der Hörbuchverlage als auch der Rundfunksender wissen: Was kann analog, wie online gehört werden? Wo gehen beide Rezeptionsformen Hand in Hand? Marina Sablic (ROOF Music) preist überraschenderweise nicht nur das physische Hörbuch, sondern klärt mich über Aktionen mit Soundcloud und Deezer auf. Und andersherum als gedacht, spricht Isabella Achatz (Bayerischer Rundfunk) nicht nur über die BR-Mediathek. Sie drückt mir die Begleit-CD zum Deutschen Hörbuchpreis („Lest! – und hört!“) in die Hand und zeigt mir die ausgezeichnete belleville/ BR-Hörspielproduktion des Romans „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion…“ von Frank Witzel. Das Cover hat der Autor selbst illustriert.

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Der tacheles!-Stand des Verlags Roof Music im Hörbuchbereich der lbm17, © cvbtonspur

Der Verlag ROOF Music bietet Musik, Kabarett, Literatur- und Künstlermanagement an. Unter dem Label „tacheles!“ werden auch Hörbücher produziert, vor allem deutschsprachige Belletristik. Hörbproben gibt es als Podcast, unter den Titeln finden sich Autor*innen wie Benjamin von Stuckrad-Barre, Thomas Mele und Nele Pollatschek. Oft sprechen diese ihre Werke selbst ein, aber auch Künstler*innen wie Katharina Thalbach, Sven Regener oder Sophie Rois werden engagiert. Zwei Fragen an Marina Sablic, verantwortlich für Presse, Medien und Projektmanagement:

TonSpur: Welchen Mehrwert bringt das physische Hörbuch eigentlich mit?

Marina Sablic:

Ist tacheles! Roof Music online gut aufgestellt?

 

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Was gibt’s beim BR digital auf die Ohren? Isabella Achatz am Stand der Landesrundfunkanstalt auf der lbm17, in der Mitte die vom Autor Frank Witzel illustrierte Hörspielproduktion „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion…“, © cvbtonspur

Der Bayerische Rundfunk (BR) ist eine der neun Landesrundfunkanstalten, die in Sachen medienübergreifende Produktionen und kostenfreies Herunterladen schon sehr früh an den Start ging. Hörspiele entstanden nicht nur im Studio, sondern partizipativ, live auf der Bühne und in Kooperation mit Musiker*innen (z.B. FM Einheit). 1996 hieß die Hörspielabteilung dann „Hörspiel und Medienkunst“ (BR 2), 2008 war der Hörspiel Pool das erste Hörspiel-Podcastangebot im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Durch die Rundfunkabgaben ist der finanzielle Ausgangspunkt beim Hörfunk natürlich ein anderer als bei den Hörbuchverlagen. Die Werke können auch nach dem Sendetermin über die Mediathek nachgehört werden, jedenfalls über einen gewissen Zeitraum (geregelt nach dem Rundfunkstaatsvertrag, RStV). Im Hörspiel Pool, je nach Rechtelage, noch länger.

TonSpur: Was denken Sie, passiert mit der kompakten Scheibe, der CD?

Isabella Achatz:

Verlagert sich das Hören in’s Internet? Und was bietet der Bayerische Rundfunk denn online zum Hören an? Es gibt ja beispielsweise den Hörspiel Pool…