8. März 2017, Internationaler Frauentag, der in Deutschland seit 1911 gefeiert wird (zur Zeit der NS-Diktatur wurde er verboten, stattdessen der Muttertag als Feiertag festgelegt). Arbeitstag in der Bibliothek:

Ein älterer Herr überreicht einer Mitarbeiterin des Uni-Cafés einen Blumenstrauß. „Das gehört sich so.“, beteuert er. Vor der Milch-Zucker-Theke kommen wir ins Gespräch: „Früher, Ende der 70er Jahre habe ich eine Frauenzeitschrift unterstützt, die hieß ‚Courage’. Neben der ‚Emma’ war das die bekannteste Zeitschrift. Kennst du die? Gibt’s auch im Internet. Die Männer nannten mich fortan ‚Frauenfreund’. So ein Unsinn.“

Die „Courage“ erschien 1976-1984 in Westberlin, thematisierte aktuelle Politik, aber auch damalige Tabus wie Sexualität, häusliche Gewalt u.a. Sie machte Frauen Mut, ein selbstbestimmtes Leben zu führen: „COURAGE soll ein Medium werden, in dem Frauen ihre Situation öffentlich darstellen können, ein Medium der Information und Kommunikation, ein Medium von Frauen und für Frauen.“, heißt es in der ersten Ausgabe (Juni 1976). Die selbstverwaltete autonome Zeitschrift wurde 2008 von der Friedrich-Ebert-Stiftung digitalisiert, deswegen kann auch heute noch in den Ausgaben geblättert werden.

– „Was machst du eigentlich?“

– „Schreiben.“

– „Ah, Literatur!?“

– „Ein bisschen, aber eher redaktionell.“

– „Sehr gut. Tritt den alten Herren mal so richtig ans Schienbein, sonst ändert sich ja nix. Und nicht unterkriegen lassen!“

Über die Aktion mit dem Schienbein bin ich mir nicht so sicher und bestimmt sind es nicht immer nur alte Herren, gegen die es sich durchzusetzen gilt. Aber „Courage“ scheint mir ein gutes Stichwort zu sein. Für Freiberufler*innen wie fest Angestellte.